Die demographischen Prognosen für Europa machen deutlich: Unser Kontinent ergraut. Besonders in Mittel-, Ost- und Südeuropa ist zukünftig mit Bevölkerungsrückgang aufgrund geringer Geburtenraten zu rechnen. Wie viel Hoffnung auf Verjüngung diese Teile Europas durch Zuwanderung haben, ist noch nicht ganz klar. Sicher ist nur, dass wir Nachwuchs brauchen.
Doch verzichten aufgrund wirtschaftlich ungünstiger Rahmenbedingungen junge Familien heutzutage gerne auf Kinder, um zunächst eine solide Basis zu schaffen. Ausbildung statt Wickeltaschen lautet die momentane Devise, aber das kann natürlich kein Credo für die Zukunft Europas und unsere Kinder sein.
Selbstverständlich ist es klug, zunächst eine solide Basis durch eine Ausbildung zu schaffen und erst hinterher den Kinderwunsch zu verwirklichen. Doch sollte angesichts der demographischen Entwicklung das Kinderkriegen mehr gefördert werden. Kinder, die unsere Zukunft in die Hand nehmen können, sind ebenso wichtig wie eine grundsolide Ausbildung. Das vereinen von Familie und Berufsausbildung bzw. Studium muss jungen Familien zugänglicher gemacht werden, wenn Europa überleben will.
Bisher sah beispielsweise für junge Studierende, die ein Kind bekamen, die Lage folgendermaßen aus:
- Windeln wechseln statt Hausarbeiten.
- Baby stillen anstatt Seminar besuchen.
- Wickeltaschen tragen, anstelle von Lehrbüchern.
- Babyschuhe stricken statt Freunde treffen.
Die Liste könnte noch viel weiter geführt werden, soll aber nur exemplarisch die schwierige Vereinbarkeit von Säugling und Studium verdeutlichen. Die Politik muss kreative Lösungen dafür finden, denn ohne Neugeborene hat Europa keine Nachfolger, die es ausbilden könnte. Die Rechnung ist sehr einfach: Wo vorne nichts reingeht, kommt auch nichts hinten raus, um die drastische Situation ganz einfach mal plastisch darzulegen.
Wenn wir schon das Recht auf Schule, Ausbildung und Selbstständigkeit einerseits und das Recht auf staatliche Unterstützung bei Erziehungsproblemen andererseits gesetzlich verankert haben, sollte man sich zumindest darum Bemühen auch Gebrauch davon zu machen. Sonst stehen unsere Kinder eines Tages ihrerseits entweder kinderlos und arbeitend oder mit Kinder und arbeitslos da, was das Leben, wenn man es sich als Glas vorstellt, schon einmal zur Hälfte leert.